You are here

Besuch des Gemeinderats auf Zollverein

Besichtigung der Zeche „Zollverein“ mit dem Gemeinderat St. Elisabeth am 19.01.2011 

Als „Betriebsausflug“ hat unser Gemeinderat mit 15 Leuten am Mittwoch, den 19.01.2011 das Weltkulturerbe “Zeche „Zollverein“ besichtigt. Wir haben durch unseren Gästeführer, den ehemaligen Steiger Herrn Jochen Seifert einen sehr detaillierten Überblick über die 1986 stillgelegte Zeche „Zollverein“ bekommen.  Zunächst hat Herr Seifert uns etwas über die Geschichte der Zeche erzählt.

1.Teil – Geschichte der Zeche „Zollverein“

Die Gründung der Zeche „Zollverein“ ging von dem Industriellen Franz Haniel aus. Im Raum Katernberg wurde 1834 ein besonders ergiebiges Kohleflöz angebohrt, welches nach dem 1834 gegründeten Deutschen Zollverein benannt wurde. Die Zeche selber wurde 1847 von Franz Haniel gegründet. Bei der Wahl des Standortes spielte auch die 1847 gegründete Köln-Mindener Eisenbahn eine wichtige Rolle, deren Trasse verläuft unmittelbar nördlich des Zechengeländes.

Nachdem die Gelsenkirchener Bergbau AG (GBAG) den kompletten Neubau einer als Zentralförderanlage konzipierten Schachtanlage beschlossen hat, haben die beiden Berliner Architekten Fritz Schupp und Martin Kremmer die Zeche von 1928 – 32 erbaut. Das „Doppelbock-Fördergerüst“ wurde  bereits 1930 errichtet. Mit einer Förderkapazität von 12000 t. Kohle täglich nahm der Schacht 12 die gesamte Förderung der bisherigen vier Anlagen mit insgesamt 11 Schächten ab 1932 auf. Nach der Stilllegung 1986 hat das Land NRW dann der RAG das Zechengelände abgekauft. Das ganze Gelände wurde aufwendig saniert und unter Denkmalschutz gestellt. Die Sanierung erfolgte bis 1999 durch  die Baugesellschaft „Bauhütte Zeche Zollverein Schacht XII“. Seit 2001 sind die Entwicklungs-Gesellschaft-Zollverein, die „Stiftung-Zollverein“ und die „Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur“ für den Erhalt und die Nutzung des Geländes zuständig.

Von 1961 – 93 wurde westlich der Zeche „Zollverein“ die Kokerei „Zollverein“ mit 192 Öfen betrieben. Diese Kokerei war lange Zeit die modernste Kokerei Europas. Aufgrund der Stahlkrise und der damit fallenden Koksnachfrage wurde die Kokerei am 30.06.1993 stillgelegt.


2. Teil – Führung über die Zeche „Zollverein“

Die Besichtigung startete auf dem Ehrenhof am „Doppelbock-Fördergerüst“, wo Herr Seifert uns das Fördergerüst, die Produktionshallen und das Kesselhaus (beinhaltet heute das „Red-Dot-Designmuseum“) sowie die Architektur erklärte.

Weiter führte uns die Besichtigung zunächst in die ehemalige Kohlenwäsche (Halle A14). Dort sind wir auch auf die Aussichtsplattform in 45 m Höhe gegangen, von der man bei guter Sicht bis weit ins Ruhrgebiet und auch ins bergische Land schauen kann. Man hat dort einen sehr schönen Panoramablick auf einige der Haupt-Sehenswürdigkeiten des Reviers (Gasometer-Oberhausen, Zeche Prosper-Haniel und Tetraeder in Bottrop und auch die „Arena auf Schalke“ war zu sehen.

Die gesamte technische Einrichtung wurde uns dann in den Werkshallen gezeigt. Anhand von 3D-Annimationen wurde uns auch die Funktion der jeweiligen Maschine vorgeführt.

In der Kohlenwäsche beispielsweise wurde die Kohle gereinigt und nach Kohlearten usw. sortiert. Was nicht zu gebrauchen war, wurde aussortiert. Des Weiteren wurden uns die Kohleförderanlagen gezeigt, wo sich u.a. ein Förderband in dem Zustand, wie es am Tage der Schließung, dem 23.12.1986, verlassen wurde, befindet. Sogar die Kohle lag noch darauf.

Auch die Wagenverladeanlage konnten wir bestaunen. Dort gibt es genau gekennzeichnete Punkte an denen automatisch Be- und Entladen wurde. Bevor Dampfmaschine usw, erfunden waren, geschah dieses von Hand. Die Bergleute mussten früher über sehr hohe Leitern gehen, um die Wagen mit der Kohle auf eine Transportplattform, die die Wagen nach oben beförderte, zu schieben. Herr Seifert hat uns dann auch noch Werkzeuge, wie sie von den Bergarbeitern benutzt wurden, gezeigt (Kohlehammer um die Kohle abzubauen, Schaufeln, Pfannen usw.).

Der Endpunkt der Führung war eine 75 kg schwere Darstellung der heiligen Barbara, die am Ausgang hing. Natürlich gehört auch die Darstellung der Schutzpatronin der Bergleute in so eine Zechenanlage.


Aber der Abend war nach der durch unseren Gästeführer Herrn Seifert hervorragend und sehr unterhaltsam gestalteten Führung unseres Gemeinderates noch nicht beendet.

Zum Abendessen ging es dann wieder zurück nach Frohnhausen wo im Restaurant „Zur Platte“ an der Gervinusstraße schon Tische reserviert waren. Also haben wir da dann noch ganz gemütlich zu Abend gegessen und etwas getrunken. So gegen 22:30 Uhr ließen wir dann einen sehr schönen gemeinsamen Abend gemütlich ausklingen.

Thomas Sauerland